UNESCO-Welterbe

Die Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal, im Norden und Süden durch die Städte Koblenz, Bingen und Rüdesheim begrenzt, findet sich seit Juni 2002 auf der Liste des UNESCO-Welterbes. In dieses Verzeichnis werden Stätten von herausragendem und universellem Wert eingetragen, die als Erbe der gesamten Menschheit gelten.

Dies können Baudenkmäler, Städteensembles oder Kulturlandschaften sein, aber auch Industriedenkmäler und Kunstwerke wie Felsbilder.

 

Das Naturerbe umfasst geologische Formationen, Fossilienfundstätten, Naturlandschaften und Schutzreservate von Tieren und Pflanzen, die vom Aussterben bedroht sind. Beispielhaft genannt seien die Pyramiden von Gizeh in Ägypten, Schloss Versailles in Frankreich, die Altstadt von Lübeck bei uns in Deutschland oder die Galapagos-Inseln in Ecuador – alles einzigartige und schützenswerte menschliche Kulturleistungen oder Naturphänomene.Die UNESCO hat es sich mit ihrer Welterbekonvention von 1972 zur Aufgabe gemacht, diese Kultur- und Naturgüter zu erfassen und auf ihren Erhalt hinzuwirken. Weltweit sind derzeit 788 Stätten (Jan. 2005) aus 134 Ländern auf der UNESCO-Liste des Welterbes eingetragen.

Anlässlich der Aufnahmeentscheidung würdigte die UNESCO das Obere Mittelrheintal als eine Kulturlandschaft von großer Vielfalt und Schönheit. Der außergewöhnliche Reichtum der Landschaft an kulturellen Zeugnissen und Assoziationen sowohl historischer wie auch künstlerischer Art wurde hervorgehoben. Seine besondere Erscheinung verdankt die Welterbestätte einerseits der natürlichen Ausformung der Flusslandschaft, andererseits der Gestaltung durch den Menschen.

 

Darüber hinaus wurde auch die Bedeutung des Rheins gewürdigt, der seit zwei Jahrtausenden einen der wichtigsten Verkehrswege für den kulturellen Austausch zwischen der Mittelmeerregion und dem Norden Europas darstellt.Da das Obere Mittelrheintal der prominenteste Abschnitt des Stromverlaufs ist, wurde es stellvertretend für den ganzen Rhein in die Liste des Welterbes aufgenommen.

Die als Welterbe anerkannte Region ist der südliche, rund 65 km lange Abschnitt des Mittelrheingebiets, definiert als das Durchbruchstal des Rheins durch das Rheinische Schiefergebirge. Im Herzen unseres Kontinents gelegen, mal Grenze, mal Brücke der Kulturen, spiegelt es die Geschichte des Abendlandes exemplarisch wieder. Hochrangige Baudenkmäler haben sich hier in einer Fülle und Dichte erhalten, die in keiner anderen europäischen Kulturlandschaft so wieder zu finden sind. Mit seinen steilen, bis heute teilweise rebenbesetzten Talhängen, den auf äußerst schmalen Uferleisten oder in der Einmündung von Seitentälern zusammengedrängten Siedlungen sowie den wie Perlen entlang einer Schnur aufgereihten Höhenburgen auf den Felsvorsprüngen der Mittelterrasse gilt das Tal als Inbegriff der romantischen Rheinlandschaft. Reisende aus fast allen Erdteilen und Ländern haben sie zum Ziel gewählt; Literaten, Maler und Musiker haben sie zum Thema ihrer Arbeit gemacht. Tief eingeschnitten, im Windschatten des Hunsrücks gelegen bildet es zugleich einen klimatischen Gunstraum.

 

Hier fanden, vor allem durch die Umformung der felsigen Steilhänge in eine offene Weinbau-Terrassenlandschaft, Tiere und Pflanzen einen Lebensraum, deren Verbreitungsgebiete ansonsten im Mittelmeerraum und im Südosten Europas zu suchen sind. Die ökologische Einzigartigkeit der Region und ihre europaweite Bedeutung für den Naturschutz wird deutlich, wenn man sich vor Augen hält, dass ca. 30 % der Gesamtfläche des Welterbegebiets naturschutzrelevante Flächen sind. Das als Welterbe anerkannte Obere Mittelrheintal ist also eine historische Kulturlandschaft, die sich durch die stetigen Eingriffe des Menschen über Jahrhunderte entwickelt hat und die wie kaum eine andere in Europa von der Wechselwirkung von Mensch und Natur, von Kulturleistungen und ihren Voraussetzungen wie Rückwirkungen zeugt.

Christian Schüler-Beigang

 

 

UNESCO-Welterbe-Feier am 20.09.2003

 

Die Ministerpräsidenten Kurt Beck und Roland Koch mit den Urkunden

 

Die Mittelrhein-Bürgermeister erhalten die Urkunden